Der ehemalige BBC- und Sunday-Times Journalist Harris ist besessen von einem Thema: der Macht. Investigativ jagt er ihr in seinen Romanen nach, ob im antiken Rom, in Nazideutschland oder im gegenwärtigen Turbokapitalismus.
Das Faszinosum Macht ist der Treibstoff seiner Geschichten, und die haben Suchtpotential. Nach Harris ist Macht wie Plutonium und die ganze Menschheitsgeschichte besteht in dem Bemühen, diesen Sprengstoff unter Kontrolle zu behalten. Keiner darf zu viel davon haben und er muss in den richtigen Händen liegen.
Sein Ehrgeiz: schreiben wie seine Vorbilder, wie Dickens, Defoe, Orwell. Das heißt: Recherche, pralle Wirklichkeit, als Thriller erzählt. Mit diesem bewährten Rezept verkauft Harris weltweit viele Millionen seiner Romane.
"Romane können auch eine pädagogische Funktion haben. Sie können uns etwas lehren, Ich habe eine Menge in meinem Leben aus Romanen gelernt. Aus Romanen über die Antike, aus historischen Romanen. Und warum nicht"
In seinem neuen Roman ist der Vatikan Schauplatz seiner Thriller-Fantasien. Der Erzählfluss ist dieses Mal zäher als gewohnt, dafür werden wir mit Insiderwissen reichlich belohnt. In der purpurnen Elite wird nämlich knallhart um den Papststuhl gekämpft, Intrigen und Verleumdungen werden zu Herzstücken dieses christlichen Rituals. Das Konklave ist die älteste Wahl der Welt. Sie ist 700 Jahre alt. Es ist die geheimste Wahl und in westlicher Hinsicht die mächtigste überhaupt. Der Papst repräsentiert immerhin 1,2 Milliarden Katholiken. Harris war fasziniert von der Idee, dass sich da 120 ältere Herren in eine Kapelle einschließen, beten, und plötzlich mit einem neuen Papst herauskommen. Detektivisch hat Harris die vatikanische Welt durchleuchtet. Er hat in päpstlichen Archiven und anonymen Protokollen gestöbert, sich auf Fachliteratur geworfen, die Tatorte mit vatikanischer Sondergenehmigung besichtigt. Er schreibt seine Romane mit der Neugierde des Reporters. Das Dorf gibt ihm die Ruhe für seine monatelangen Recherchen.
Wie etwa sein Finanzmarkt-Thriller "Angst". Er will zeigen wer und was uns beherrscht. Dass an den Börsen Monster gedeihen – und dass sogar eine Papstwahl fairer und demokratischer ist als ein entfesselter Digitalkapitalismus.
"Die Macht hat die politische Arena verlassen. Zwar versuchen die Politiker verzweifelt, am Ball zu bleiben. Sie wollen diesem System einen Sinn geben, doch sie kontrollieren es schon lange nicht mehr"
Er lebt wie ein britischer Landadliger, doch er schreibt populär, für alle. Fesselnd sollen seine Bücher sein – und uns die Welt verständlicher machen. Gebrauchsliteratur nennt er das: ganz bescheiden.
