Der Experte des Rock’n’Roll surft furios zwischen Jazz, Blues, Boogie, Pop und auch Klassik. Inzwischen komponiert und spielt er gerne die leiseren Töne, überschüttet sein Publikum mit wohlklingenden Akkorden. Aus dem einstigen Jazz-Musiker ist ein echter Allrounder geworden, und er will nunmehr alle mit seinem Joja Wendt-Sound erreichen. Rimsky-Korsakovs Hummelflug etwa, Wendt spielt ihn mitreißend, mit Drive, auf sein Publikum zu. Joja Wendt ist so etwas wie der Demokratisierer der Konzertmusik. Überhaupt geht es ihm um das Publikum, mit dem er redet und flirtet. Eigentlich ist sein Konzert ein einziger Dialog zwischen Bühne und Zuhörern. Hamburg wurde für den Gymnasiasten aus gutbürgerlichen Verhältnissen zum Katalysator seiner musikalischen Passionen. Er warf sich in die Musik-Szene der 1980er-Jahre und die sog ihn auf. Der diplomierte Jazz-Pianist spielte sich in den Clubs die Finger wund, bestritt die Vorprogramme von Joe Cocker, und begleitete Chuck Berry. Schon früh entwickelt er einen Sinn dafür, dass man mit dem Klavier mehr machen kann als nur brav die Tasten zu drücken. Der Roncalli-Instinkt ist in seiner Karriere unübersehbar. Und er gipfelt in seinem Auftritt in der chinesischen TV-Variante von "Wetten, dass..?", wo er Tischtennis-Spieler bei einem zackigen Ping Pong auf dem Klavier begleitet. Deswegen gilt er dort als der "German Creative Pianist". Wendt liefert musikalische Wohlfühl-Erlebnisse. Und sieht sich selbst als universeller Steuermann dieser gefeierten Abende. Man muss ja als Künstler wie ein Hybrid funktionieren. Man muss sein eigener Regisseur sein, sagt er. So verschmilzt er Musikgeschichte. Ob Bach, Bizet oder Boogie-Woogie. Die Spannung zum Publikum, sagt er, darf nie abreißen. Ein Künstler, der sein Publikum umarmen möchte.
